Konzeption und prototypische Umsetzung eines Serious Game als Instrument zur Vermittlung ortsüblicher Planungspraxis

„Urban Planning in a Nutshell“ zu erreichen, ist das motivierende Element dieser Masterarbeit. Es soll darum gehen bundesdeutsche Planungsverfahren so aufzubereiten, dass über spielerische Elemente die Komplexität der Verfahren den Benutzern nach und nach nahe gebracht wird und so in die Lage versetzt wird, an realen Planverfahren zu partizipieren. Entstehen soll ein Framework, das schnell an lokale Gegebenheiten und Planverfahren angepasst werden kann um persönliche Involvierung zu simulieren.

Die Arbeit wird aus zwei theoretischen und einem konzeptionellen Teil bestehen.

Ziel des zweiten theoretischen Kapitels soll sein, zu entscheiden, welche Aspekte aktuellen planerischen Handelns die maßgeblichsten sind und somit in einem Serious Game auftauchen sollten. Dazu wird sowohl ein Blick in Zeitgenössische Texte zum heutigen Planungsparadigma geworfen, als auch konkret in drei Kommunen durch Interviews mit Planern vor Ort die Planungsverfahren der vergangenen 1,5 Jahre untersucht. Dabei kann es auch ein simples Bebauungsplanverfahren im Speckgürtel Kassels sein. Die Kooperations- und Auskunftsbereitschaft eines Stadtplanungsamt ist dabei das entscheidende Argument zur Auswahl der zu untersuchenden Verfahren.

Die Protokolle der Bau-Ausschüsse werden dazu herangezogen.

Zum Beispiel könnten folgende Aspekte wichtige Rahmenbedingung für heutiges Planen sein.

  • Konflikte von guter planerischer Praxis mit politischen Setzungen,
  • Verfahrens- und Rechtssicherheit vs. Flexibilität vs. Transparenz,
  • Angebotsplanung vs. Notwendigkeit zur Haushaltskonsolidierung
  • Partizipation vs. Verfahrensbeschleunigung
  • Konventionelle Verfahren vs. Experimente mit ungewissem Ausgang

Im zweiten Teil werden spielerische Grundprinzipien aus der Diskussion um eine fortschreitende Gamification der Gesellschaft vorgestellt und abgewogen, welche Prinzipien – für das Serious Game zur Planung – am erfolgsversprechenden sein könnten.

Der konzeptionelle Teil entwickelt das Konzept für ein Serious Game. So können verschiedene im 1. Kapitel erarbeiteten Aspekte in Form von verschiedenen „Leveln“ umgesetzt werden oder je nach Thema unterschiedliche Spielmechaniken konzipiert werden. Textliche Beschreibungen, Ablaufdiagramme oder Storybooks können dabei als Darstellungswerkzeuge herangezogen werden.

Ziel ist es auch einige Ansätze prototypisch umzusetzen. Programmierfähigkeiten in JavaScript, Python und PHP sind vorhanden. Ggf. kann eine Umsetzung mit der Software Tumult Hype erfolgen.

Gedanken zu einem Meta-Portal zur räumlichen Entwicklung

Ich würde gerne die Ideensammlung von nextkassel zusammen mit der Stadt, der Stadtverordnetenversammlung und den Ortsbeiräten sowie weiteren planenden Akteuren, der Lokalzeitung HNA und bürgerschaftlichen Akteuren weiter entwickeln.

Diese meta-Plattform würde sich in die laufenden Prozesse all dieser Akteure „hineinhacken“ und Daten zur räumlichen Planung, insbesondere deren vorgeschalteten Diskurse aggregieren. Ziel könnte es sein bessere Ergebnisse bei der Entscheidung welche Themen relevant sind herauszufiltern.

Ziel könnte auch sein Entscheidungsprozesse Transparent wieder zu geben

Der Einsatz von Liquid Democracy in Beteiligungsverfahren

Online zur Verfügung stehen zur Zeit zwei große Systeme die Liquid Democracy als Serveranwendung implementieren.

„LiquidFeedback“ wurde primär für den Einsatz innerhalb von Parteien konzipiert um unter den Parteimitgliedern eine gemeinsame Linie zu finden. Der Einsatz in der Piratenpartei ist das populärste Beispiel, aber auch die SPD und die Linkspartei haben Experimente damit gemacht.

Die zweite Software „Adhocracy“ (Gegenbegriff zu bureaucracy) setzt etwas andere Schwerpunkte und setzt den Schwerpunkt auf die Einbringung von eigenen Themen in die Diskussion (soweit ich das verstanden habe…).

Beide Systeme sind in Reinform nur bedingt für die Bürgerbeteiligung geeignet, da sie beide quantitative Ansätze verfolgen und es – vom Grundsatz her – erzwingen, dass sich Benutzer akkreditieren. Die sonstige und bisherige Beteieligungspraxis dagegen ist sehr flüchtig.

Dennoch haben sich verschiedene Institutionen daran gewagt. LiquidFriesland oder die Beteiligung zu Tempelhof Berlin wurden über LiquidFeedback abgewickelt.