Gemeification für Nicht-Amerikaner

Ich habe mir für ca. 3€ Zugang zu einem udemy-Kurs zum Thema Gameification geleistet und schaue mich nun durch die angebotenen Videos. Was ich feststelle ist, dass dieser Kurs sehr stark auf ein amerikanisches Publikum zugeschnitten ist. Dahingehend, dass der Autor meint, dass die Hauptmotivation für Menschen sich im Sinne der Gameification für ein Produkt oder Projekt vereinnahmen zu lassen, darin besteht, öffentliche Anerkennung für Leistungen zu erhalten. Ich glaube dass dieser Ansatz für Europa – oder zumindest für Deutschland, was ich ja nunmal ganz gut kenne – nicht Hauptmotivation sein kann: Dazu sind wir hier viel zu sensitiv gegenüber Datenschutz und viel zu eigen hinsichtlich dessen was wir von uns preisgeben und was nicht.

Für meine Arbeit muss ich mir notieren, dass ich das Thema Motivation noch genauer untersuchen muss, vermutlich auch mit irgendjemandem reden muss, der sich damit auskennt.

Wo kann Gameification stattfinden?

Ein Freund schickte mir über Facebook einen Link zu einem Buch von Urban Catalyst. Ich war erst Irritiert, handelt es sich doch um ein Buch zu Zwischennutzungen. Wo sollte sich da drin Gameification finden lassen? Den erklärenden Kommentar von ihm hatte ich zuerst übersehen.

Ich versuchte mir also selbst zu erschließen wie dieses Buch mir helfen sollte. Das brachte mich tatsächlich auch auf einige Kernfragen, die man im Zuge der Beschäftigung mit Gameification auch thematisieren muss. Nämlich: Wo kann in einer durchsystematisierten Planungslandschaft in Deutschland ein Gameification-Baustein andocken? Wo entstehen Konzepte für Gameification? Ist es nur etwas, was an Orten stattfindet, wo sich Kommunale Träger auch noch um freiwillige Leistungen kümmern können und somit auch ein bisschen Geld in die Hand nehmen können um innovatives zu wagen? Sind es forschungsgetragene Ansätze oder hängt an einzelnen Personen derartiges zu entwickeln und anzuwenden? Und wie kann das befördert werden? Ist Gameification ausschließlich ein Element einer größer angelegten Planung oder kann es sogar tragendes Element sein?

Und schlussendlich schließe ich den Bogen zurück: Zwischennutzung ist nur da möglich, wo eine irgendwie gearteter Freiraum entstanden ist, der genutzt werden kann. Einige Zwischennutzungen sind auf Temporalität ausgelegt, d.h. etwas in dem Moment, an diesem Ort zu machen, ist wichtiger als ein tatsächliches Produkt am Ende heraus zu holen. Und legt man dann eine ökonomische Logik zugrunde nach der man alles was man tut anschließend zu verwerten hat, ist nicht dann eine vorskizzierte Zwischennutzung nicht bloß eine Spielerei und damit in irgendeiner Form ein Urtyp von Gameification? Ich bespiele einen Ort: Ich schaffe etwas an einem Ort weil es mir Freude macht. Einen Sommer lang. Diese Form von Gameification dient also nicht der Planung, sondern ist evtl. nur Baustein einer Planung (oder Nicht-Planung, was auch Planung ist) und bedingt sich somit gegenseitig. Gameification ist also nicht Artifizieller Baustein, sondern Stadt selbst.

Zu weit hergeholt die These?